Heute drohende Abschiebung eines gut integrierten jungen Lehrlings zeigt, dass es grundsätzlich Änderung der Abschiebepraxis nach Afghanistan braucht

Presseaussendung von Integrations-Landesrat Rudi Anschober, vom 8. Mai 2018

Heute droht die Abschiebung eines sehr gut integrierten jungen Lehrlings aus Ried im Innkreis nach Afghanistan.

Sein Chef kämpft um dessen Verbleib. Denn Afghanistan ist in den vergangenen Monaten immer gefährlicher geworden. Daher warnt das Außenministerium in einer aktuellen Reisewarnung mit der höchsten Sicherheitsstufe: „Im ganzen Land besteht das Risiko von gewalttätigen Auseinandersetzungen, Raketeneinschlägen, Minen, Terroranschlägen und kriminellen Übergriffen einschließlich Entführungen, Vergewaltigungen und bewaffneter Raubüberfälle.“

Der aktuelle SIGAR-Bericht des Spezialinspekteurs des US-Senats unterstreicht dies und geht davon aus, dass etwa 70 Prozent des Landes unter Kontrolle der Terrormiliz der Taliban stehen.

Und auch ein neues Gutachten der Afghanistan-Expertin Friederike Stahlmann spricht eine sehr deutliche Sprache: „Die flächendeckende Gewalt und die systematischen Anschläge auf zivile Einrichtungen, auf Schulen, Moscheen, auf Krankenhäuser, usw. werden nicht ausreichend gewürdigt, denn dann würde man anerkennen, dass dieser Krieg wirklich jeden bedroht.“

Oberösterreichs Integrations-Landesrat Rudi Anschober fordert daher einen Abschiebestopp für unbescholtene Asylwerber/innen bis zu einer Neubewertung der Sicherheitslage auf Basis des kurz vor der Präsentation befindlichen Bericht des UNHCR über die Sicherheit in Afghanistan.

„Deutschland handelt bereits seit einem Jahr in diesem Sinn. Und auch Asylwerber/innen in Österreich verdienen es, dass genau hingeschaut wird, welche Zukunft sie in Afghanistan erwartet. Es braucht jetzt verantwortungsvolles Handeln im Sinn der Menschenleben“, fordert LR Anschober endlich ein Umdenken.