Fragen & Antworten

Artikel 1 der Genfer Flüchtlingskonvention definiert einen Flüchtling als Person, die sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt oder in dem sie ihren ständigen Wohnsitz hat, und die wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung eine wohlbegründete Furcht vor Verfolgung hat und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Furcht vor Verfolgung nicht dorthin zurückkehren kann. Ein Flüchtling hat das Recht auf Sicherheit in einem anderen Land. (Quelle: UNHCR)
MigrantInnen verlassen ihre Heimat nicht aufgrund von Verfolgung. Sollten sie zurückkehren, genießen sie weiterhin den Schutz ihrer Regierung. Flüchtlinge hingegen fliehen vor drohender Verfolgung und können unter den bestehenden Umständen nicht in ihr Heimatland zurückkehren. (Quelle: UNHCR)
Als unbegleitete Minderjährige gelten, „… wer von beiden Elternteilen getrennt ist und für dessen Betreuung niemand gefunden werden kann, dem durch Gesetz oder Gewohnheit diese Verantwortung zufällt“. (Quelle: UNHCR)
Menschen, die in einem fremden Land Asyl, also Schutz vor Verfolgung, suchen und deren Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist, werden AsylwerberInnen oder Asylsuchende genannt. Der Begriff „AsylantIn“ wird ebenfalls verwendet, hat aber im Alltagsgebrauch eine abwertende Bedeutung bekommen.
Wenn die Behörde „positiv“ über den Asylantrag entscheidet, ist die betreffende Person asylberechtigt und damit ein anerkannter Flüchtling. Ein anerkannter Flüchtling hat genau definierte Rechte und Pflichten und ist österreichischen StaatsbürgerInnen weitestgehend gleich gestellt.

 

… zur Flucht

In vielen Ländern dieser Erde herrscht Krieg. Die Menschen leben in ständiger Angst. Sicherer Tod oder Flucht?! Was würden Sie wählen?
Der Weg ist beschwerlich. Der Ausgang bzw. die Ankunft ungewiss. Für viele endet die Flucht tödlich. Die Strapazen dauern oftmals Wochen, sogar Monate an. Das ist auch der Grund, warum Männer ihre Familien zurücklassen müssen, da Frauen und Kinder diese Anstrengungen nicht überleben würden. Der einzige Wunsch, den die Männer haben ist es, einen positiven Asylbescheid zu erhalten. Dann können sie ihre Familien nachholen. Nachkommen dürfen nur minderjährige Kinder und EhepartnerInnen. Und „nachkommen“ heißt in diesem Fall: selbst finanziert, aber legal und ohne eine lebensgefährdende, von Schleppern organisierte Flucht übers Mittelmeer. Auf diese Weise bringen die Männer ihre Familie vergleichsweise sicher nach Österreich.
Menschen, die in ihrer Heimat verfolgt werden, weil sie zum Beispiel das dortige Regime kritisiert haben, müssen das Land oft unbemerkt von den Behörden verlassen. Vielen ist es deshalb nicht möglich, auf „legalem“ Weg in ein sicheres Land zu flüchten. Trotz der vielfach hohen Kosten und der damit verbundenen Gefahren vertrauen sich Asylsuchende deshalb so genannten Schleppern an, die sie über die Grenzen schmuggeln. Manche Schlepper nutzen jedoch die Abhängigkeit der Menschen aus und misshandeln oder missbrauchen sie. Trotzdem ist die Verzweiflung vieler Menschen so groß, dass sie gefährliche Fluchtrouten wie zum Beispiel über das Mittelmeer und die hilflose Abhängigkeit von Schleppern in Kauf nehmen.
Die meisten Flüchtlinge hatten in ihrem Heimatland bis Kriegsausbruch ein „normales“ Leben, sind einer geregelten Arbeit nachgegangen, hatten eine Wohnung und haben ihre Kinder zur Schule geschickt. Bei einer Flucht kann nur das absolut nötigste mitgenommen werden, dazu zählen Bargeld und eben auch das Mobiltelefon. Die Mobiltelefone sind die einzige Möglichkeit, um mit ihrer Familie in den Krisenregionen in Kontakt zu bleiben. Die Mobiltelefone werden häufig mittels Wertkarten bezahlt, dieses Geld wird dann eben vom Essensgeld abgezweigt. Was würden Sie auf einer Flucht mitnehmen?
Die Flüchtlinge packen für die Flucht meistens das beste Gewand ein das sie besitzen, sie tragen ihre letzten Habseligkeiten wortwörtlich am Leib. Oftmals erhalten sie aber auch nach Ankunft in Österreich Kleiderspenden von engagierten Mitmenschen beziehungsweise Bekleidung aus der Altkleidersammlung.
Die sechs größten Aufnahmeländer von Flüchtlingen sind:


Staat Flüchtlinge
Türkei 2,6 Millionen
Pakistan 1,4 Millionen
Libanon 1 Million
Iran 979.400
Uganda 940.800
Äthiopien 791.600

(Stand: Ende 2016; Quelle: https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/fluechtlinge/zahlen-fakten.html)

 

… zum Leben von Asylsuchenden in Österreich

Im Bereich der Flüchtlinge gibt es eine Kompetenzteilung zwischen Bund und Ländern. Für die Erstaufnahme der neuankommenden AsylwerberInnen und für die Abwicklung des Asylverfahrens ist das Bundesministerium für Inneres zuständig. In den Erstaufnahmestellen (z.B. Traiskirchen), die vom Bund betrieben werden, erfolgt eine Erstversorgung und medizinische Abklärung. Nach der Erstversorgung und Zulassung zum Asylverfahren werden die Flüchtlinge nach fairen und gerechten Maßstäben in den neun Bundesländern aufgenommen und versorgt.

Flüchtlinge bekommen in Österreich – wenn sie mittellos sind – die so genannte Grundversorgung, die folgende Leistungen enthält:

Wenn Asylsuchende in organisierten Unterkünften wohnen:

  • Selbstversorgungsquartiere: € 19 pro Person und Tag für Unterbringung und Verpflegung. Dieser Betrag geht direkt an die Unterbringungseinrichtung und wird nicht an die Flüchtlinge ausbezahlt. In sogenannten Selbstversorgungsquartieren, kümmern sich die Flüchtlinge selbst um ihre Verpflegung. Von den € 19, die an die BetreiberInnen ausbezahlt werden, erhalten erwachsene Flüchtlinge € 5,50 für die Verpflegung.
  • Vollversorgungsquartiere: € 40 Taschengeld pro Person und Monat für alle persönlichen Ausgaben.

Wenn Asylsuchende selbständig wohnen:

  • Eine Familie erhält einen maximalen Zuschuss pro Monat von € 240 für Miete und
    Betriebskosten. Für eine Einzelperson wird ein Zuschuss zur Miete in Höhe von
    € 120 pro Monat ausbezahlt. Erwachsene erhalten ein Verpflegungsgeld von € 200,
    Minderjährige € 90 pro Monat. Zu bezahlen ist die Miete, Betriebskosten, das Essen
    sowie alle sonstigen Ausgaben.

Zusätzlich bekommen Asylsuchende Gutscheine für Bekleidung (€ 150 pro Jahr) und Schulgeld für die Kinder (€ 100 pro Schulsemester).

Neben der Betreuung vor Ort in den organisierten Quartieren, die von QuartierbetreiberInnen geleistet wird, gibt es noch eine mobile Sozialbetreuung. Diese wird in Oberösterreich durch die Volkshilfe Oberösterreich und die Caritas durchgeführt. MitarbeiterInnen der Caritas oder Volkshilfe besuchen im Rahmen dieser mobilen Betreuung die Flüchtlinge vor Ort in den organisierten Quartieren. Sie geben Orientierungshilfe und unterstützen in verschiedenen Belangen des Alltags – von der Begleitung zu Behörden, Schulen, Ärzten etc. über Übersetzungs- und Dolmetschdienste bis hin zur Hilfestellung in Krisensituationen. Darüber hinaus werden rechtliche Beratung vermittelt sowie nach Möglichkeit Deutschkurse organisiert. Auch die Versorgungsleistungen der öffentlichen Hand für AsylwerberInnen (Bekleidungsgutscheine etc.) werden von der mobilen Betreuung ausgegeben.
Unbegleitete minderjährige Fremde (kurz UMF) bedürfen nach Artikel 7 Abs. 1 der GVV einer über Art. 6 hinausgehenden Grundversorgung in Form von unterstützenden Maßnahmen zur Erstabklärung und Stabilisierung, die der psychischen Festigung und dem Schaffen einer Vertrauensbasis dienen sollen. Im Bedarfsfall ist darüber hinaus sozialpädagogische und psychologische Unterstützung zu gewähren.

Anders als bei den grundversorgten Erwachsenen bzw. Familien sind UMF in den Einrichtungen in eine sehr enge Betreuungsstruktur eingebettet, die Integrationsarbeit wird hierbei v.a. vom Betreuungspersonal wahrgenommen. Es gibt Bezugsbetreuersysteme, klar definierte Ziele sowie eine regelmäßige Evaluierung dieser, Festlegung einer Tagesstruktur.

Die allermeisten in OÖ untergebrachten minderjährigen Flüchtlinge leben in organisierten Jugendeinrichtungen der NGOs. Es ist aber auch die Aufnahme in Pflegefamilien möglich. Bei den Pflegewerbern könnte es sich zum einen um bereits überprüfte Pflegefamilien handeln, zum anderen aber auch um Personen, die sich aus konkretem Anlass vorstellen können, ein Kind bzw. eine/n Jugendliche/n aus einer UMF-Einrichtung als Pflegeeltern aufzunehmen.

Bei Interesse finden Pflegewerber die nötigen Informationen bei der örtlichen Bezirkshauptmannschaft sowie bei der Kinder- und Jugendhilfe.

Ein Asylantrag kann abgewiesen werden, wenn Asylsuchende nach Meinung der Behörde in seiner/ihrer Heimat keine Verfolgung befürchten müssen. Die Behörde muss aber die Lage im Herkunftsland genau prüfen und feststellen, ob eine andere Form von Schutz nötig ist. Der international gültige „Non-Refoulement“-Grundsatz besagt nämlich, dass niemand in ein Land abgeschoben werden darf, in dem sein Leben bedroht ist oder er Folter bzw. einer sonstigen menschenunwürdigen Behandlung ausgesetzt wäre. Ist das jedoch der Fall, müssen die Behörden subsidiären Schutz zuerkennen, der regelmäßig, alle zwei Jahre, verlängert werden muss. Wenn keine dieser Gefährdungen vorliegt und dem/der Asylsuchenden auch kein Bleiberecht gewährt wird, muss er Österreich verlassen. Tut er/sie dies nicht freiwillig, kann er/sie abgeschoben werden. (Quelle: UNHCR)

 

… zum Freiwilligen Integrationsjahr

  • Das freiwillige Integrationsjahr ist seit 01.01.2016 im Freiwilligengesetz (Abschnitt 4a) geregelt.
  • Es ist kein Arbeitsverhältnis sondern als Arbeitstraining für die Dauer von 6-12 Monaten (keine Verlängerungsmöglichkeit) konzipiert.
  • Neben der Tätigkeit (34 Stunden pro Woche möglich) sind mindestens 150 Stunden niederschwellige Ausbildungs- und Integrationsmaßnahmen vorgesehen.

  • Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte, deren Anerkennungsbescheid nicht länger als zwei Jahre zurückliegt (BezieherInnen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung, sie bekommen in dieser Zeit keine zusätzliche finanzielle Abgeltung und keine Beihilfen des AMS).
  • Grundsätzlich gilt die Vollendung des 17. Lebensjahres.


Ziele sind die Integration im Sinn einer Einbeziehung in das österreichische gesellschaftliche Leben und der Vermittlung der österreichischen Werteordnung und der deutschen Sprache, die Verbesserung der Chancengleichheit durch die Berufsorientierung, die Vertiefung von schulischer Vorbildung, das Kennenlernen der Arbeit in der Einsatzstelle, die Persönlichkeitsentwicklung, die Erweiterung und Anwendung von Kenntnissen zum Erwerb von Fertigkeiten für verschiedene Berufsfelder, die Stärkung sozialer und interkultureller Kompetenzen und die Förderung des sozialen Engagements der TeilnehmerInnen uvm.

  • Bund, Länder, Gemeinden und Gemeindeverbände
  • sonstige öffentlich-rechtliche Körperschaften oder sonstige juristische Personen, die nicht auf Gewinn gerichtet sind und ihre Geschäftsleitung oder ihren Sitz im Inland haben
  • nach dem Freiwilligengesetz gemeinnützige Träger der freien Wohlfahrtspflege oder andere gemeinnützige, nicht auf Gewinn orientierte juristische Personen privaten Rechts mit Sitz im Inland
  • Pro TeilnehmerIn und Monat erhalten Trägerorganisationen eine Förderung in Höhe von 120,- €, die alle zwei Monate im Nachhinein ausbezahlt wird. Nach Beendigung des Freiwilligen Integrati-onsjahres und nach Legen der Abrechnung wird zusätzlich die Unfallversicherung in Höhe von 5,40 € pro Monat rückerstattet.

Die Abwicklungsagentur für das Freiwillige Integrationsjahr „dieberater“ ist für Trägerorganisationen, sowie für interessierte TeilnehmerInnen zuständig.

Für InteressentInnen: veröffentlicht werden für Sie alle verfügbaren Einsatzplätze auf der Homepage. Die Agentur bietet keine Beratungen über Einsatzplätze an. Wenden Sie sich dafür bitte an die beim jeweiligen Einsatzplatz angegebene Kontaktperson. Allgemeine Infos zum Freiwilligen Integrationsjahr finden Sie unter Downloads.

Für Trägereinrichtungen: veröffentlicht werden Ihre freien Einsatzplätze auf der Homepage und es werden für Sie im Auftrag des AMS und im Namen des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz die Förderung abgewickelt. Alle notwendigen Infos und Formulare finden Sie unter Downloads.

Alle Informationen finden Sie unter: http://www.integrationsjahr.at/

Kontaktperson: Katharina Schweiger, MA
+43 (1) 532 45 45 – 1190
integrationsjahr@dieberater.com

… weitere nützliche Hinweise