Rückkehrberatung der Caritas Linz

Nadja Aygün, Andrea Pflügler, Cornelia Aslan und Wolfgang Vogeser sind in der Rückkehrberatung der Caritas in Linz tätig. Sie beraten Menschen, die sich überlegen in ihr Heimatland zurückzukehren, zu ihren Chancen und Möglichkeiten in Österreich und zu ihren Perspektiven in den Herkunftsländern und begleiten Personen, die sich für eine freiwillige Rückkehr entschieden haben.

ZusammenHelfen in Oberösterreich hat die vier zur Rückkehrberatung befragt! 

 

ZusammenHelfen in Oberösterreich (ZHOÖ): Frau Aslan, immer wieder hört man von der sogenannten „Freiwilligen Rückkehr“ von AsylwerberInnen – was kann man sich darunter vorstellen?

Cornelia Aslan: An die Rückkehrhilfe wenden sich jene Menschen, die gerne in ihre Heimat zurückkehren wollen, weil wieder Frieden herrscht oder sich die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse gebessert haben. Die Rückkehrhilfe wird aber auch von jenen Menschen in Anspruch genommen, die für sich keine Perspektiven für eine erfolgreiche Integration in Österreich sehen oder die bei rechtskräftig negativem Asylbescheid eine Alternative zur drohenden Abschiebung suchen. Sehr häufig kommen Menschen zu uns, die sich überlegen, freiwillig auszureisen aber sich noch nicht entschieden haben. In diesem Fall informieren wir über den Ablauf einer freiwilligen Ausreise, geben einen Überblick über Unterstützungsleistungen zum Neustart im jeweiligen Heimatland. Wir erklären den Prozess der Dokumentenbeschaffung und vernetzten uns, wenn nötig, mit JuristInnen oder ÄrztInnen

 

ZHOÖ: Frau Aygün, wenn ich mich freiwillig für AsylwerberInnen engagiere – kann ich auch jemanden zur Rückkehrhilfe begleiten?

Nadja Aygün: Zunächst einmal möchten wir uns hier sehr herzlich für die Unterstützung durch und die Zusammenarbeit mit den freiwilligen HelferInnen bedanken. Gerade in Phasen so intensiver und einschneidender Veränderungen wie einer Rückkehr ins Heimatland nach der Flucht, ist Kommunikation – vor allem das gemeinsame Diskutieren und Durchdenken der Konsequenzen einer Rückkehrentscheidung – sehr wichtig. Ehrenamtliche HelferInnen spielen dabei eine ganz wichtige Rolle. Wir freuen uns, wenn sie von Anfang an in den Beratungsprozess einbezogen werden und die Menschen begleiten. Für die KlientInnen ist es beruhigend, wenn eine Begleitperson die Informationen der Beratung ebenfalls erhält und weitere Nachbesprechungen noch fundierter möglich sind. Häufig folgt der Erstberatung ein sehr intensiver Diskussionsprozess mit Angehörigen und Freunden in Österreich und im Heimatland.

Auch wenn KlientInnen mit dem festen Entschluss zu uns kommen, auszureisen, ist es uns wichtig, die Gründe dafür zu verstehen und sicherzustellen, dass die Entscheidung wirklich durchdacht ist und nicht das Ergebnis einer kurzfristigen Stimmungslage, wenn z.B. das erste „Negativ“ zugestellt wurde.

 

ZHOÖ: Frau Pflügler, welche Motivationen gibt es denn für eine freiwillige Rückkehr?

Andrea Pflügler: Ganz allgemein kann man sagen, dass die Gründe für eine freiwillige Rückkehr häufig eine Umkehrung der ursprünglichen Fluchtgründe sind: Das Ende einer kriegerischer Auseinandersetzungen bzw. eine Verbesserung der Sicherheitslage im Herkunftsland, ebenso politische Veränderungen, die den Flüchtlingen ermöglichen, zuhause wieder ohne Angst vor staatlichen Repressalien wegen ihrer politischen, sozialen, ethnischen, religiösen oder nationalen Zugehörigkeit leben zu können. Am Ende der Jugoslawien Kriege war das zum Beispiel der Fall, in dieser Zeit wurde auch die Caritas Rückkehrberatung aufgebaut.
Eine weitere Gruppe von KlientInnen schickt das BFA (Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl) zu uns. Das BFA kann nach einem ersten negativen Bescheid eine Beratung zu den Möglichkeiten der freiwilligen Rückkehr anordnen.
Zunehmend kommen auch KlientInnen, die rechtskräftig negative Aufenthaltsbescheide bekommen haben. Auch wenn von Freiwilligkeit im engeren Sinne hier nicht mehr zu sprechen ist, gibt es dennoch die Möglichkeit zur freiwilligen Ausreise – im Gegensatz zu der ansonsten drohenden Abschiebung. Diese gesichtswahrende Rückkehr in Würde hat zudem den Vorteil, dass die Sachleistungen, die vor Ort im Heimatland von unserem Bundesministerium angeboten werden, vollständig verfügbar sind. Zudem entfallen zumeist Einreise- bzw. Aufenthaltsbeschränkungen bei der freiwilligen Rückkehr.

 

ZHOÖ: Frau Aslan, kann ich mich auch nach einem negativen Bescheid in 2. Instanz noch immer für eine freiwillige Rückkehr entscheiden?

Cornelia Aslan: Grundsätzlich gibt es diese Möglichkeit. Wichtig ist dabei allerdings eine schnelle, zeitnahe Anmeldung zur freiwilligen Rückkehr. Grundsätzlich ist eine freiwillige Rückkehr einer Abschiebung immer vorzuziehen, das ist die Vereinbarung und gelebte Praxis mit dem BFA.

In diesen Fällen erklären wir auch sehr genau die Funktionsweise des Dublin-Abkommens, dass es also nicht sinnvoll ist nach einem Negativbescheid in ein anderes europäisches Land zu gehen, weil dann eben die Rücküberstellung nach Österreich erfolgt und die Ausreise nur verzögert wird.

 

ZHOÖ: Frau Pflügler, wie läuft so eine freiwillige Rückkehr ab? Gibt es da Projekte in den Herkunftsländern, die vor Ort unterstützen?

Andrea Pflügler: Österreich beteiligt sich im Rahmen der Europäischen Union an einer Vielzahl von Reintegrationsprojekten in verschiedenen Ländern. Durchgeführt werden die Projekte von der Caritas, IOM oder dem BM.I gemeinsam mit Kooperationspartnern vor Ort in den Herkunftsländern.

Die Caritas bietet mit dem Projekt IRMAplus Reintegrationsunterstützung für die Zielgruppe der vulnerablen RückkehrerInnen zum Beispiel in Pakistan, Armenien oder der Russischen Föderation an. In Nigeria ist der Kooperationspartner die renommierte  IDIA RENAISSANCE, mit einer speziellen Expertise u.a. in der Betreuung von Frauen und Minderjährigen.

Die Projekte in Afghanistan und Iran werden von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) durchgeführt.

Das BM.I führt im Rahmen des Projektes ERRIN beispielsweise  im Irak gemeinsam mit der ETTC, der Europäischen Organisation für Technische Zusammenarbeit, ein Reintegrationsprojekt durch.

Wir unterstützen unsere KlientInnen bei der ersten Kontaktaufnahme aus Österreich mit den Reintegrationspartnern in den Heimatländern. Das ermöglicht, konkrete Fragen stellen zu können und trägt zur Vertrauensbildung in die Seriosität der Hilfsorganisationen bei. Gemeinsames Ziel ist es, mit den zurückkehrenden Menschen eine Basis für eine neue Selbstständigkeit zu schaffen.

Die KlientInnen bekommen eine Einmalzahlung in Höhe von € 200-500. Dieses Geld erhalten sie nicht von der Caritas, sondern vom österreichischen Staat, die Rückkehrhilfe wird durch den Asyl,- Migrations- und Integrationsfonds und das Bundesministerium für Inneres finanziert.

Außerdem bekommen unsere KlientInnen die Möglichkeit, gemeinsam mit Hilfsorganisationen im Land einen Geschäftsplan zu erstellen. Auf dessen Grundlage gibt es Sachleistungen, die so genannte Reintegrationshilfe. Das sind z.B. Schafe oder Kühe zum Aufbau einer Landwirtschaft in Afghanistan. Ebenfalls in Afghanistan hat ein Klient mit der Reintegrationshilfe einen Shop für Videospiele eröffnet. Eine KlientIn von uns hat eine Imkerei in Tschetschenien aufgebaut. Im Irak und Iran beteiligen sich KlientInnen häufig an Taxiunternehmen.

Zielführend und häufig praktiziert sind auch sogenannte Geschäftspartnerschaften; dabei erwirbt man mit der Reintegrations-Hilfe einen Anteil an einem Verkaufsstand in einem Bazar oder erwirbt in einem Familienbetrieb entsprechende Waren. Einige Klientnnen haben sich so im Iran in Friseur- und Kosmetikgeschäfte eingebracht.

Das Geld kann natürlich auch in Ausbildungsvorhaben investiert werden.

Für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gibt es vom UNHCR klar definierte Verfahrensabläufe, die die Gewährleistung des Kindeswohls und eine sichere Rückkehr unterstützen.

Gibt es beispielsweise Zweifel, ob die Obsorgeberechtigten /Angehörigen im Heimatland Kinder oder Jugendliche umfassend versorgen und betreuen können, beauftragen wir den Servicepartner damit, die aufnehmende Familie zu besuchen und uns eine Einschätzung zur Lage der Familie zu geben. (Family Assessment)

Die Projekte werden von der Europäischen Union regelmäßig kontrolliert und die Projektteilnehmer werden vor Ort besucht. So wird sichergestellt, dass die Gelder wirklich zweckgebunden verwendet werden

 

ZHOÖ: Frau Aygün, wenn ich mich über dieses Thema näher informieren möchte, wo kann ich mich hinwenden?

Nadja Aygün: Die Caritas-Rückkehrberatung in Oberösterreich ist in der Ziegeleistraße 7a in Linz, 5 Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt. Wir sind im Rahmen regulärer Sprechstunden Montag, Dienstag und Donnerstag von 08.00 Uhr bis 15.00 Uhr und am Freitag von 08.00 – 12.00 Uhr vor Ort. Wir empfehlen auf jeden Fall, Termine telefonisch unter 0732/7610 2366 vorab mit uns zu vereinbaren. Dadurch ist gewährleistet, dass keine Wartezeiten entstehen, wir uns individuell auf den Fall vorbereiten können und bei Bedarf DolmetscherInnen organisiert werden können.

Wir führen auch Informationsveranstaltungen für AsylwerberInnen, Freiwillige und Interessierte zur Rückkehrhilfe durch. Termine dafür können über unsere Beratungsstelle vereinbart werden.

 

Weitere Informationen:

Website der Caritas Rückkehrhilfe

Anmeldeformular einer Veranstaltung „Freiwillige Rückkehr“ für Hauptamtliche und freiwillig Engagierte