Endlich Gewalt gegen Frauen wirksam an den Ursachen bekämpfen

Presseaussendung von Integrations-Landesrat Rudi Anschober, vom 17. Jänner 2019

„Nicht der Geburtsort, sondern die verfehlte Einstellung von Tätern ist das entscheidende Problem. Und dagegen muss endlich gemeinsam wirkungsvoll auf der Basis von Vorschlägen der Gewaltschutzzentren und internationalen Empfehlungen vorgegangen werden“, fordert Oberösterreichs Integrations-Landesrat Rudi Anschober auf Basis der alarmierenden Anzahl an Gewaltfällen gegen Frauen endlich ein konsequentes Gegensteuern.

Die Zahlen sind dramatisch und in den letzten Jahren gestiegen: 2017 wurden 34 Frauen ermordet, 2018 bereits 41 und heuer wurden bereits 4 Frauen Opfer eines tödlichen Gewaltverbrechens. Die Statistik besagt: rund 75% der Täter kommen aus dem Bereich von Bekannten, 40% sogar direkt aus der Familie.

Sowohl das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, die so genannte Istanbul-Konvention, als auch die Gewaltschutzzentren in Österreich legen Empfehlungen für Maßnahmen zum Gegensteuern vor, die eine umfassende Umsetzung der Istanbul-Konvention gewährleisten.

Ein Teil dieser Maßnahmen wird seit Jahren nicht hinreichend umgesetzt:

  • etwa der erforderliche Ausbau von Frauenhäusern und Übergangswohnungen
  • Verbesserungen bei der Kriminalstatistik, indem der geschlechtsspezifische Charakter von Gewalt sichtbarer gemacht wird, um die Aussagekraft zu erhöhen
  • ein verbesserter Zugang zu den Beratungsstellen und Unterstützungsangeboten für alle Frauen, vor allem Frauen mit Behinderung und asylsuchende Frauen
  • Infokampagnen zur Unterstützung der Arbeit der Gewaltschutzzentren
  • ein massiver Ausbau der Männerarbeit vor allem in Risikogruppen sowie Täterarbeit, die opferschutzorientiert ist
  • verbesserte Maßnahmen zur Beurteilung des tatsächlichen Risikos von erneuten Tatbegehungen in Fällen häuslicher Gewalt
  • bessere und regelmäßige Zusammenarbeit unterschiedlicher Behördenstellen und spezialisierter Hilfseinrichtungen

„Die Statistik zeigt, dass ein wesentlicher Teil der Verbrechen gegen Frauen zum Zeitpunkt von Trennungen und in (teilweise ehemaligen) Partnerschaften erfolgen – unabhängig von Geburtsländern. Unser Gegner ist ein grundfalsches Besitzdenken von Männern. Und hier müssen zukünftige Gegenmaßnahmen besonders stark angesetzt werden.“, sagt Anschober.