Neue Förderrichtlinien: Gemeinden als wichtige Säule in der Integrationsarbeit bekommen praxisnahen und leichteren Zugang zu Fördermittel

Unterlage zur Pressekonferenz des Landes Oberösterreich mit Landesrat Stefan Kaineder zum Thema „Neue Förderrichtlinien: Gemeinden als wichtige Säule in der Integrationsarbeit bekommen praxisnahen und leichteren Zugang zu Fördermittel“ zum Herunterladen.

 

Die Gemeinden sind Drehscheibe des Zusammenlebens, denn Integration passiert vor Ort. Engagierte Gemeinden setzen aktiv auf Integrationsprozesse, die das Zusammenleben in all unserer Vielfalt stärken. Die Kommunalpolitiker/innen und Gemeindemitarbeiter/innen leisten hier tagtäglich wichtige und hochqualifizierte Arbeit. Gemeinde und Gesellschaft sind bunt und vielschichtig. Da wird am Stammtisch auch mal gestritten. Aber am Ende gilt der Grundsatz: Wir halten zusammen, wenn es drauf ankommt.

Immer wieder hat Oberösterreich in den vergangenen Jahrzehnten geholfen. Durch internationale Krisen und Kriege ist es zu Migrations- und Fluchtbewegungen gekommen. Die Gemeinden haben hier einen wesentlichen Anteil an der Integration der Zugewanderten geleistet. Zuletzt als Standort für Quartiere – Oberösterreichs Erfolgsstrategie der dezentralen Integration war nur dadurch möglich, dass eine große Mehrheit der Gemeinden bereit waren, Standort für ein Asylquartier zu bieten.

„Gerade in unseren Gemeinden, die engagiert an der Integration geflüchteter oder zugewanderter Menschen arbeiten, sehen wir rascher Erfolge: Schnelleres Fußfassen am Arbeitsmarkt, leichtere Integration ins gesellschaftliche Leben in den Gemeinden oder vielfach zügigeres Erlernen der Sprache. Denn in den Gemeinden ist es oft auch ein Netzwerk an Freiwilligen oder kirchliche Organisationen, die sich engagieren und einbringen. Wo die Anonymität der Großstadt oft ein Hemmschuh zur Integration ist, sind in Gemeinden die Rahmenbedingungen für gelingende Integrationsarbeit oftmals besser. Auf diese Vorteile wollen wir mit dem Gemeindeförderprogramm aus dem Integrationsressort setzen und den Kommunen best- und schnellstmöglich Unterstützung für innovative Integrationsprojekte geben“, so Landesrat Stefan Kaineder, der mit den neuen Förderrichtlinien den Gemeinden einen praxisnahen Zugang zu Fördermittel garantieren möchte.

Neben der nachhaltigen Unterstützung durch das Gemeindeförderprogramm werden im Rahmen des „OÖ Landespreis für Integration und Zusammenleben“ insbesondere Gemeinden, die im Themenbereich Integration und Zusammenleben engagiert sind, vor den Vorhang geholt. Der 2021 zum dritten Mal stattfindende Landespreis steht heuer unter dem Motto „Gesellschaftlicher Zusammenhalt“ und ist mit Preisen bis zu € 3.000,–, versehen. Einreichungen sind bis spätestens 26. März möglich.

„Oberösterreich ist ein vielfältiges Land, in dem Integration aktiv gelebt und gestaltet wird. Daran arbeitet eine einzigartig breite Allianz von Gemeinden, Organisationen und die Zivilgesellschaft. Mit dem Landespreis möchte das Land OÖ Engagement und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben fördern und vor den Vorhang holen“, betont Landesrat Stefan Kaineder, der herzlich engagierte Gemeinden zur Einreichung einladet.

Einreichformular und mehr Infos auf: www.integrationsstelle-ooe.at

Integrationsstelle OÖ – Ausgangslage

Auf Basis des im Jahr 2018 von der Oö. Landesregierung beschlossenen Integrationsleitbildes des Landes Oberösterreich „Integration verbindlich gestalten – Zusammenhalt stärken“, setzte die Integrationsstelle Oberösterreich in den vergangenen Jahren einen Schwerpunkt auf das Thema der regionalen bzw. kommunalen Integrationsarbeit und entwickelte für die Gemeinden eine entsprechende Unterstützungs- und Angebotsstruktur.

Die Entwicklung in den einzelnen Gemeinden gestaltet sich, je nach strukturellen und demografischen Verhältnissen, unterschiedlich. So wird bereits in einzelnen (Stadt)Gemeinden seit Jahren im Rahmen von Gemeindeprozessbegleitungen intensiv im Bereich Integration und Gestaltung des Zusammenlebens gearbeitet, mit sichtbaren Resultaten. Andere Gemeinden setzen erste niederschwellige Angebote, wie Sprachcafés oder Begegnungstreffen um.

Der Bedarf in den Gemeinden ist unterschiedlich, daher sollen diese durch Begleitung, Beratung und Wissensvermittlung, u.a. unterstützt von den ReKI – Regionale Kompetenzzentren für Integration und Diversität – dort abgeholt werden, wo sie stehen.

Im November 2018 wurden von der Oö. Landesregierung erstmals Richtlinien zur Förderung von Integrationsmaßnahmen in oö. Gemeinden beschlossen, die nun weiterentwickelt wurden. Die damit geschaffenen Rahmenbedingungen sollen auch die unterschiedliche Bedarfssituation abbilden.

Was wird laut Richtlinien gefördert:

Gesetzte Maßnahmen durch oö. Gemeinden:
Die Adaptierungen der Richtlinien beziehen sich insbesondere auf die gesetzten Integrationsmaßnahmen durch Gemeinden. Um Transparenz herzustellen, Gemeinden dort abzuholen, wo sie stehen, und Anreize für vertiefende nachhaltige Integrationsprozesse durch Gemeinden zu setzen, aber gleichzeitig das Förderungsangebot einfach zu halten, wird in Zukunft bei der Förderung von Gemeinden auf zwei Bausteine gesetzt:

– Abgrenzbare, einmalig durch die Gemeinde initiierte Projekte werden bis zu einer Höhe von 3.000 Euro gefördert. Der konkrete Förderungsbetrag wird von der Förderungsstelle festgestellt.

– Für begleitete, langfristige Integrationsprozesse und deren stufenweise Umsetzung der Maßnahmen zur Förderung der nachhaltigen Integration in Gemeinden ist eine Förderungsbeteiligung von 60 – 80% durch das Land Oberösterreich vorgesehen. Im Vordergrund steht die Wirkungsorientierung des langfristigen Maßnahmenpakets.

Es soll dadurch noch expliziter auf die Bedarfe in den Gemeinden auch bei den Rahmenbedingungen zur Förderung eingegangen werden. Schlussendliches Ziel ist es unter anderem, dass Gemeinden Einzelmaßnahmen hin zu langfristigen Integrationsprozessen zur Sensibilisierung und Aktivierung der Regelsysteme für das Thema Migration, Integration und Vielfalt entwickeln, die Lebensqualität, das Zusammenleben vor Ort und die Zufriedenheit ihrer Bürgerinnen und Bürger nachhaltig gesteigert wird; die Chance aus der Integrationsarbeit erkannt wird und in Gemeinden ein schrankenloser Zugang zum Regelsystem „Gemeinde“ geschaffen und dadurch die gesamtgesellschaftliche Teilhabe gefördert wird.

Weiterhin Bestandteile der Gemeindeförderungsrichtlinien sind:
– Angebote unterschiedlicher Anbieter/innen für und in oö. Gemeinden
Bestehende Angebote unterschiedlichster Anbieter in unterschiedlichen Bereichen (z.B. Sprache, Bildung, Sport, etc.) werden weiterhin bzw. werden erstmalig gefördert. Diese Vorgehensweise dient dazu, gute Angebote in Gemeinden zu ermöglichen, die eine Finanzierung bisher nicht aufbringen konnten.

– Bildungsangebote für Gemeindebedienstete bzw. Gemeindepolitiker/innen
Von der Integrationsstelle OÖ finanziert und in Abstimmung mit dem Oö. Gemeindebund entwickelt.

Regionale Kompetenzzentren für Integration und Diversität

Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass eine auf Strategie und Nachhaltigkeit ausgerichtete regionale Integrationsarbeit die rasche Entwicklung bedarfsgerechter Maßnahmen vor Ort erleichtern und deren Umsetzung absichern kann. Wesentliche Erfolgsfaktoren sind ein flexibles Beratungs- und Begleitungsangebot für die Akteure auf Gemeinde- und Bezirksebene und die Verortung des notwendigen Fach- und Strukturwissens in den Regionen. So wurden und werden in ganz unterschiedlichen Entwicklungsstrukturen vielseitige und spannende Maßnahmen für ein gutes Zusammenleben und optimiertes Funktionieren der bestehenden Systeme geschaffen.

Die Regionalen Kompetenzzentren für Integration und Diversität (ReKI) begleiten im Auftrag des Landes Oberösterreich strategische und nachhaltig wirkende regionale und kommunale Integrationsarbeit. Ziel ist es, die Gemeinden dabei zu unterstützen, gelingendes Zusammenleben vor Ort zu gestalten und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

Dabei geht es oft darum, Ideen und Bedarfe vor Ort zu identifizieren, eigene Ideen umzusetzen oder bestehende Maßnahmen in der Gemeinde zu implementieren. Dazu sind die Unterstützungsmöglichkeiten im Rahmen des Gemeindeförderpakets ein wichtiges Instrument. Damit steht kommunalen Akteuren Zugang zu finanzieller Unterstützung im Sinne einer regionalisierten und dezentralen Integrationsstrategie nach dem oberösterreichischen Integrationsleitbild offen.

In Bezug auf das Gemeindeförderpaket unterstützen die regionalen Kompetenzzentren für Integration und Diversität (ReKI) interessierte Gemeinden beim Erheben und Strukturieren von Bedarfen, bei der Ideenfindung und bei der Entwicklung von Maßnahmen. Auch im Zusammenhang mit der Antragstellung werden Beratungs- und Unterstützungsleistungen angeboten. Das kann im Rahmen bereits etablierter und durch ReKI betreuter Integrationsprozesse genauso geschehen wie in niederschwelliger Beratung und Begleitung. Gemeinden können dazu jederzeit mit dem ReKI-Standort im jeweiligen Bezirk in Kontakt treten.

ReKI bietet als kompetenter Partner vor Ort außerdem folgende weitere Angebote an:
– Wissens- und Informationsvermittlung
– Fachberatung, die sich am Bedarf vor Ort orientiert
– Strategische Prozessbegleitung
– Unterstützung bei Maßnahmen- und Projektentwicklung
– Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit
– Schnittstellenarbeit für den Fachbereich Integration und Zusammenleben

ReKI-Standorte befinden sich in jedem der 15 oberösterreichischen Bezirke. Träger sind Caritas für Menschen in Not und Volkshilfe FMB GmbH. Das Angebot wird aus dem Budget des oö. Integrationsressorts gefördert.

Integrationsprozess „Freistadt sind wir ALLE“

Freistadt ist eine weltoffene und von kultureller Vielfalt geprägte Stadt. Rund 11,7 Prozent der Stadtbewohner/innen sind ausländische Staatsangehörige und stammen aus 48 Nationen. Angelehnt an das Ebenenmodell des Landes OÖ hat Freistadt mit dem Gemeinderatsbeschluss im Oktober 2017 den Integrationsprozess „Freistadt sind wir ALLE“ gestartet.

Unter der Prozessbegleitung des Regionalen Kompetenzzentrums für Integration und Diversität (ReKI) Standort Freistadt, Cigdem Carikci, und der Integrationsstelle OÖ, Wolfgang Weiss, wurden passende Arbeitsstrukturen und Kommunikationswege erstellt. Gemeinsam erarbeitete Leitsätze stellen die Basis für unser politisches Denken und Handeln und ein erfolgreiches Zusammenleben in Freistadt dar. Die politische Verantwortung sowie die Leitung für den Integrationsprozess „Freistadt sind wir ALLE“ obliegt der Bürgermeisterin, Frau Mag.a Elisabeth Teufer.

Das überparteiliche Gremium „STEFI – STEuerungsgruppe Für Integration“ gewährleistet die Verzahnung der Prozessfortschritte aus den jeweiligen Arbeitsgruppen und überwacht die Umsetzung der Ziele und Maßnahmen im Gesamtprozess. Maßnahmenvorschläge der STEFI kommen zur Abstimmung in den Gemeinderat. Seither wird in den bestehenden vier Arbeitsgruppen für Bildung, Jugend, Wohnen & Zusammenleben, Verwaltung strategisch, strukturiert und prozesshaft an Ermittlung und Erarbeitung von Bedarfen sowie Durchführung von Maßnahmen gearbeitet. Die Umsetzung der notwendigen

Maßnahmen konnten u.a. durch finanzielle Unterstützung der Integrationsstelle des Landes OÖ ermöglicht werden. Das Gemeindeförderpaket ist ein wichtiges Instrument für die Schaffung von Integrationsangeboten vor Ort.

Projekte und Maßnahmen in Freistadt

Sprachförderung
– Mama lernt Deutsch – Deutschkurs für Frauen mit Kinderbetreuung
– Fit für die Schule
– Lernhilfe für Kinder nicht deutscher Muttersprache in der Volksschule „neu“ seit Jänner

Kindergarten und Elternarbeit
– neun Brückenbauer/innen leisten wertvollen Beitrag zur besseren Kommunikation zwischen Eltern und Kindergärten (Landespreis für Integration)
– Laiendolmetscher Ausbildung – bereits 15 Laiendolmetscher/innen in acht Sprachen
– Elterncafés in den Kindergärten – die von den Kindergartenleiterinnen in Zusammenarbeit mit dem Brückenbauer/innen organisiert werden
– Vorträge zu Erziehungsthemen finden zweisprachig oder in türkischer Sprache statt

Schule und Bildung
– Marktplatz Bildung – Bildungseinrichtungen stellen sich vor
– Infoveranstaltung zum österreichischen Bildungssystem – Bedeutung der Bildung an Eltern vermitteln, Möglichkeiten der Bildungswege aufzeigen
– Direktor/innenstammtisch – Vernetzung der 13 Schul- und Kindergartenleitungen

Jugend und Freizeit
– Jugend trifft Politik – Informeller Austausch mit Stadträten
– Jugendtag 2021 – geplant
– Räume & Zwecke für Jugendliche in Freistadt miteinander konkretisieren
– Facebook Gruppe „Junges Freistadt sind wir ALLE“ – Austausch für Veranstaltungen

Integration in Haslach an der Mühl

Die Marktgemeinde Haslach hat in der ersten Phase der Umsetzung der Projektideen schon mit dem Covidvirus zu kämpfen gehabt, nichts desto trotz haben wir es geschafft unsere Begegnungsbank in Zusammenarbeit mit ReKI, proges GES.UND und der fab Haslach (für Jugendliche mit Schwierigkeiten auf dem ersten Arbeitsplatz) zu entwerfen, zu bauen und zu eröffnen. Dieser Treffpunkt am Marktplatz soll zur Kommunikation und zum Austausch aller dienen und ein gesellschaftliches Begegnungsplatzerl werden. Wenn wieder die Möglichkeit besteht, sich persönlich zu treffen, werden auch Bürgermeisterstammtische abgehalten.

Jahresbüchergutscheine für die Erst– und Zweitklässler der VS Haslach (Leseanfänger/innen) in Zusammenarbeit mit der Haslacher Bücherei , um allen die Möglichkeit zu geben, gratis Bücher auszuleihen.

Danketreffen für Haslacher ehrenamtliche Unterstützer/innen und Migrant/innen.

Vorbereitung und Umsetzung eines Kultur-und Sprachcafés in Kooperation mit ReKI, proges GES.UND, IN:RO, Treffpunkt Mensch & Arbeit, Regionalleitung VH RO und Regionalcaritas. Vom wöchentlichen Treffen in einem Café und bei proges GES.UND im Büro sind wir in die online Version gestartet und haben uns schon zweimal getroffen (mit überraschender Zuschaltung eines Libyers aus Tripolis).

Walid Eissa, ein Syrer, der jetzt in Haslach lebt und arbeitet, hatte die Idee, wir haben zusammengearbeitet und ihn so gut wie möglich unterstützt – er ist für die Webauftritte auf Facebook, Instagram und den Regionalmedien zuständig und wöchentlich gibt es Themen für die Interessierten aus Österreich und Migrant/innen aus aller Welt.

Das politische System Österreichs haben wir schon abgearbeitet 😉 und wir werden mit Bräuchen und Alltagskultur aus unseren Heimatländern, historischen Spaziergängen und Besuchen in verschiedenen Museen weiterarbeiten.

Das Kultur– und Sprachcafé soll mit monatlichen allgemeinen und persönlichen Informationen auch mit Rechtsberatung und Behördenhilfen durch die Volkshilfe ergänzt werden. Genug zu tun, noch viele Ideen – wir freuen uns über die Unterstützung seitens des Landes.

Ein herzlicher Dank geht an das ReKI Rohrbach, Catherine Spöck und Helene Bernhauser, die uns in jeder Phase unterstützt, unsere Ideen immer gefördert, für förderungswürdig und förderungswert gehalten haben.